Verbessert sich die Aussichten für die Hochzinsländer?

Datum: 05. Juli 2018 - 09:10 Uhr

Quartalsprognose: Das weltweite Wachstum stützt die Hochzinsländer, wir sind jedoch nicht ganz so optimistisch im Hinblick auf das Wachstum wie zum Jahresanfang. Wir sehen anziehende US-Zinsen, jedoch lediglich in einem für die Hochzinsländer voraussichtlich verkraftbaren Umfang.

Die erste Jahreshälfte 2018 setzte die Anleihen der Hochzinsländer unter extremen Druck, sowohl die auf Landeswährung als auch auf harte Währung lautenden Anleihen. Die zweite Jahreshälfte dürfte jedoch besser werden, weil mehrere negative Faktoren jetzt eingepreist sind, beispielsweise die US-Zinsen. Dagegen ist die Einpreisung des Risikos eines Handelskrieges schwierig.

Das weltweite Wirtschaftswachstum wird derzeit vor allem von den USA vorangetrieben. Europa und die Schwellenländer weisen geringfügige Schwächezeichen auf. Insgesamt scheint das weltweite Wachstum solide, wir sind jedoch nicht ganz so optimistisch wie zum Jahresanfang. Die Inflation stellt kein großes Problem für die Hochzinsländer dar, diejenigen Länder, wo die Währung massiv abgewertet hat, beispielsweise in Argentinien und in der Türkei, sind jedoch eindeutig strapaziert. Es gibt Länder wie beispielsweise Indonesien, wo die Zentralbanken infolge einer abwertenden Währung und des Risikos einer erhöhten Inflation allmählich Straffungen durchführen. Das frühzeitige Eingreifen der Zentralbank ist jedoch nur positiv, vor allem im Hinblick auf die Währung.

Anziehende US-Zinsen
Nach umfassenden Anstiegen im ersten Quartal zogen die US-Zinsen geringfügig im zweiten Quartal an. Derzeit scheint der Aufwärtsdruck auf den Zinsen, trotz des etwas harten Kurses der US-Notenbank, geringfügig nachgegeben zu haben. Wir gehen von anziehende Zinsen während der nächsten 12 Monate aus, jedoch lediglich in einem für die Hochzinsländer voraussichtlich verkraftbaren Umfang. Sollten diese jedoch rapide anziehen, könnte das jedoch Schwierigkeiten bereiten. Der Ausverkauf von Anleihen der Hochzinsländer während des letzten Quartals bewirkt jedoch auch, dass wir einen erhöhten Wert in dieser Anlageklasse sehen. Der weiche Kurs der Europäischen Zentralbank trägt zudem generell zur Stützung des Rentenmarktes bei. Zudem wirken sich die Rohstoffpreise insgesamt positiv auf die Schwellenländer aus.

Politik von maßgeblicher Bedeutung
Präsident Trump hat mit seinen Zöllen auf u. a. Stahl die erste Salve abgegeben, was sich zu einem weltweiten Handelskrieg entwickeln könnte. Unserer Meinung nach dürfte es nicht so weit kommen, allein das Risiko wirkt sich jedoch negativ auf die Weltwirtschaft, Rohstoffpreise und finanziellen Vermögenswerte aus. Zudem bestätigt das auch Trumps unberechenbare Einstellung zur Politik, was an sich bereits einen Risikofaktor für die Finanzmärkte darstellt.

Wahlen dürften sich maßgeblich auf das kommende Quartal auswirken. In Mexiko gewann ein Linksnationalist die Präsidentschaftswahl Anfang Juli. Die mexikanischen Anleihen und der Peso hatten jedoch dieses Risiko bereits eingepreist. Dagegen dürfte der Wahlkampf nach den Sommerferien in Brasilien eine gewisse Spannung bieten, wo alles im Vorfeld der zwei Wahlrunden Anfang Oktober noch völlig offen ist.

Von Senior Analyst Hans Christian Bachmann, für Sydinvest,  5. Juli 2018

Dies ist eine Übersetzung der dänischen Analyse „Kvartalsforventninger: Lysner det for højrentelandene“. Im Zweifelsfall gilt der dänische Text.

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