Quartalsprognose Hochzinsländer

Datum: 08. Juli 2019 - 13:50 Uhr

Graue Wolken ziehen auf, die Zentralbanken halten jedoch Regenschirme bereit. Trumps Handelskrieg mit China hat sich im 2. Quartal verschärft

Die Weltwirtschaft weist Anzeichen negativer Effekte infolge von Trumps Handelskrieg auf. Diese Anzeichen treten im 2. Quartal noch deutlicher hervor. Daher müssen wir uns darauf gefasst machen, dass das Wirtschaftswachstum nicht so groß wird wie zum Jahresanfang erwartet. Ein niedrigeres weltweites Wirtschaftswachstum beeinträchtigt die Anleihen der Schwellenländer, infolge der Wachstumsverlangsamung und der Ungewissheit waren die Verlautbarungen der Zentralbanken in den USA und in der Eurozone in letzter Zeit jedoch äußerst weich. Das heißt, dass die Zentralbanken gegebenenfalls geldpolitische Lockerungen bereithalten. Die US-Notenbank, Fed, ist wahrscheinlich am ehesten dazu bereit, die Geldpolitik zu lockern. Die Notenbank hat eine positive Ausgangslage, weil sie die Geldpolitik während der letzten Jahre gestrafft und daher noch weitere Schüsse hat. Die Signale aus den USA sind sehr unterschiedlich. Einerseits ist beispielsweise die Beschäftigung hoch, andererseits weisen die Geschäftsklimadaten Anzeichen einer Verlangsamung auf.

Die Ausgangslage der Europäischen Zentralbank, EZB, ist dagegen negativ, zumal der Leitzins nach wie vor negativ ist. Die Wirtschaft ist schwächer in Europa, es gibt jedoch Anzeichen dafür, dass es sich um einen Schwächephase handelte. Die Entwicklung in den jeweiligen Ländern ist sehr unterschiedlich, und für die EZB stellt Italien eine Quelle der Besorgnis dar.

Die Verlangsamung und Ungewissheit infolge des Handelskrieges wirken sich negativ auf die Anleihen der Schwellenländer aus, und graue Wolken ziehen auf. Die Wirtschaft Chinas ist direkt betroffen, zahlreiche andere Länder sind jedoch von Nebeneffekten betroffen. Allein die Ungewissheit bewirkt, dass sich die Unternehmen mit den Investitionen zurückhalten. Die Regenschirme, welche die Zentralbanken in den USA und in Europa in Form von möglichen geldpolitischen Lockerungen bereithalten, dämmen dagegen die Besorgnis ein. Die weichen Töne der Zentralbanken bewirkten, dass die Anleihen der Schwellenländer nach einem hervorragendem 1. Quartal im 2. Quartal solide performten.

An der politischen Front fanden im 2. Quartal in Südafrika Parlamentswahlen und in Istanbul eine Wiederholung der Wahl Bürgermeister statt. Im nächsten Quartal dürften die Parlamentswahlen in der Ukraine nach dem überzeugenden Wahlsieg des Komikers Zelensky bei den Präsidentschaftswahlen sehr interessant werden. Argentinien steht im Licht der äußerst wichtigen Präsidentschafts- und Parlamentswahlen im Oktober und im August finden die sogenannten Primärwahlen statt. Im Vorfeld der Wahlen im Oktober können die Meinungsumfragen umfassende Schwankungen bei den Staatsanleihen des Landes auslösen, weil der Reformkurs des Landes in entgleisen könnte.

Das schwache weltweite Wachstum bewirkt zudem niedrigeres Wachstum in zahlreichen Schwellenländern. Das ermöglicht, in Kombination mit einer moderaten Inflation und den weichen Tönen der Fed und EZB, Zinssenkungen in einer langen Reihe von Schwellenländern. Daher dürften die Zinssenkungen der Zentralbanken und die Aussicht auf solche voraussichtlich die örtlichen Zinsen merkbar stützen. Die Währungen der Schwellenländer könnten dagegen infolge der niedrigeren Leitzinsen seitens der Zentralbanken der Schwellenländer unter Druck geraten. Die Zentralbanken sind jedoch weitgehend darauf bedacht, eine zu umfassende Abwertung der jeweiligen Währung zu vermeiden, zumal dies eine erhöhte Inflation mit sich führt, wonach die gesamte Grundlage für eine Zinssenkung wegfallen würde. Ferner bewirken niedrigere Zinsen in den USA und in Europa, dass die örtlichen Zinsen der Schwellenländer interessant werden und daher ebenfalls die Währungen der Schwellenländer stützen.

Din Anleihen der Schwellenländer die auf US-Doller over Euro lauten werden bei niedrigere Zinsen in den USA und in Europa, relativ attraktiver. Die Zinsspread gab im 2. Quartal lediglich geringfügig nach. Der Rückgang ist u. a. auf die erhöhte Gewichtung der Öl exportierenden Länder in Nahost zurückzuführen, die Anfang des Jahres im Index aufgenommen wurden und die langsam integriert werden. Diese Länder haben grundsätzlich eine hohe Bonität und eine geringere Renditedifferenz als die meisten anderen Schwellenländer in diesem Index. Wir sind daher nach wie vor grundsätzlich der Meinung, dass die Zinsspread der auf harte Währung lautenden Schwellenländeranleihen attraktiv ist.
Insgesamt stellen wir uns konstruktiv zu den Schwellenländeranleihen, zumal die Zentralbanken Regenschirme bereithalten obwohl der Himmel ein wenig grau ist.

Für Sydinvest von Seniorportfoliomanager Hans Christian Bachmann
 

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