Quartalserwartungen: Starker Dollar unterstützt globale Aktien

Datum: 19. Juli 2018 - 10:10 Uhr

Die reifen Aktienmärkte in den USA und Europa reagieren auf einen drohenden eskalierenden Handelskrieg. Die globalen Aktien werden jedoch vom Dollar unterstützt, der vor dem Hintergrund der starken US-Wirtschaft stieg.

Im 2. Quartal stiegen die globalen Aktien um etwa 6 %. Dieser Anstieg ist ausschließlich auf einen starken Dollar zurückzuführen, der u. a. aufgrund der soliden amerikanischen Wirtschaftslage und eines steigenden US-Leitzinses stieg.
Das Thema steigende Zinsen ist angesichts der Nervosität vor einem eskalierenden globalen Handelskrieg etwas in den Hintergrund geraten. Wir sehen augenblicklich eine Eskalation, die immer mehr Länder einbezieht. Eine weitere Verschärfung wäre eine ernsthafte Bedrohung des Aktienmarktes. Ein weiteres Alarmsignal: der globale Aufschwung ist nicht länger so synchron wie noch vor einem halben Jahr. Augenblicklich ist insbesondere in Europa, Japan und in einer Reihe von Schwellenländern eine Verlangsamung zu beobachten.

Klein- und Mittelbetriebe erfüllen die Erwartungen, während Value ins Hintertreffen geraten ist
Kleine Aktien performen augenblicklich gut, und unser strategischer Fokus auf kleine und mittlere Aktien erweist sich als positiv. Leider liegen Value-Aktien weiter unter der Marktperformance und insbesondere unter der Performance der Wachstumsaktien. Value-Aktien fallen stärker als ihr Ertrag und werden deshalb immer preiswerter. Das sehen wir als Kaufmöglichkeit, da eine geringere Bewertung historisch gesehen einen höheren zukünftigen Ertrag mit sich führte. Augenblicklich heißt es jedoch geduldig warten. Gegenwind gibt es weiterhin für die so genannten FAANG-Aktien, in die wir aufgrund einer zu hohen Bewertung überwiegend nicht investieren können. Diese Aktien (Amazon, Netflix, Facebook und Google) haben in den USA 65 % der Erträge des laufenden Jahres erwirtschaftet.

Positive Erwartungen an Value
Wir sind weiterhin der Auffassung, dass die Value-Aktien sich positiv entwickeln werden, da sie, verglichen mit Wachstumsaktien, preiswert sind; diese Entwicklung ist jedoch nicht von heute auf morgen zu erwarten. Der größte Auslöser für ein Outperformen der Value-Aktien könnten die FAANG-Aktien sein. Wir halten die FAANG-Aktien aufgrund der hohen Bewertung, eines verstärkten Fokus auf eine Regulierung ihrer Geschäftsmodelle und der Tatsache, dass zahlreiche aktive Verwalter bereits ein Übergewicht an FAANG-Aktien haben, für fragil, und wir sehen weiterhin Anzeichen dafür, dass wir „late cycle“ sind. Daher versuchen wir uns im Bereich Aktien mit stabilen Erträgen, niedriger Verschuldung und soliden Cash Flows stets defensiv zu positionieren.
Weiterhin starke amerikanische Wirtschaftsdaten

Die amerikanischen Wirtschaftsdaten sind weiterhin relativ positiv, und daher wird die Geldpolitik seitens der US-Notenbank auch in Zukunft gestrafft werden. Dies ist vor allem auf den zunehmenden Inflationsdruck zurückzuführen, der augenblicklich durch einen angespannten Arbeitsmarkt und bedeutende Steuererleichterungen verstärkt wird. In den Geschäftsberichten des 1. Quartals war das dominierende Thema die steigenden Preise, und wir erwarten, dass diese Thematik in Verbindung mit den Berichten des 2. Quartals an Umfang zunehmen wird. Steigende Kosten sind auch eine der Ursachen dafür, dass das Ertragswachstum in den USA wahrscheinlich seinen Höhepunkt erreicht hat. Ein eskalierender Handelskrieg würde die Ertragsentwicklung amerikanischer Unternehmen ebenfalls treffen, da 40 % ihres Umsatzes außerhalb der USA erzielt wird. 

Im Laufe des letzten Quartals wurde unsere Auffassung, „late cycle“ zu sein, bestätigt, und mit einem intensivierten Risikobild in Form einer zunehmenden Wahrscheinlichkeit eines regulären Handelskriegs fokussieren wir weiterhin darauf, das Risiko des Portfolios zu mindern. 

Weniger Risiken in Europa
In Europa war in den vergangenen sechs Monaten generell eine Wachstumsschwäche zu beobachten, was im Vergleich zu den USA schwächere Aktienerträge mit sich führte. Gleichzeitig geraten deutsche Aktien unter Druck, einmal durch die Flüchtlingskrise in Deutschland, die zu politischer Instabilität führen könnte, zum anderem durch die zunehmende Popularität der euroskeptischen Parteien in Italien. Hinzu kommt, dass ein globaler Handelskrieg Europa hart treffen würde, da Europa wesentliche Handelsbeziehungen zu anderen Ländern pflegt.

Die zunehmenden Risiken bewogen die Europäische Zentralbank zu der Andeutung, ihre gestützten Anleihekäufe Ende 2018 nur dann zu beginnen, wenn sich das Risikoszenario nicht verschlechtert hat. Sollten die Risiken nicht eskalieren, wird für 2018 ein Gewinnanstieg unter den europäischen Unternehmen in Höhe von 10 % erwartet. Ein so erfreuliches Wachstum könnte auch zu einer positiven Entwicklung des Marktes führen.

Wir sehen die größten Risiken in einer Eskalation des Handelskriegs und der politischen Entwicklung in Italien, die die Zusammenarbeit in der EU gefährden könnte. Wir haben bereits reagiert, indem wir das Risiko im Portfolio etwas begrenzt haben – insbesondere innerhalb der europäischen Finanzunternehmen. Dieser Sektor wurde im Falle politischer Unruhen stets hart in Mitleidenschaft gezogen.

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