Quartalserwartungen: Internationale Anleihen

Datum: 16. Juli 2018 - 09:00 Uhr

Wir erwarten unverändert niedrige Renditen in Europa und Japan, während die Wirtschaftslage in den USA zu anziehenden Zinsen tendiert.

Die US-amerikanischen Anleiherenditen dürften durch ein relativ starkes Wachstum, niedrige Arbeitslosigkeit und nicht finanzierte Steuererleichterungen, kombiniert mit mehreren Zinserhöhungen, erneut unter Aufwärtsdruck geraten. Die US-Bundesbank, Fed, hat den Leitzins in diesem Jahr bereits zweimal erhöht und legt nun zu zwei weiteren Zinssteigerungen vor Jahresende an.

Gleichlaufend mit den Zinserhöhungen zieht die Fed einige der zusätzlichen Mittel aus dem finanziellen System ab, die sie im Rahmen ihrer Anleiheaufkäufe zugeführt hat. Aktuell nimmt der Druck auf die Anleiherenditen aufgrund der Furcht vor einem letztendlichen globalen Handelskrieg im Zuge der von US-Präsident Trump geführten Handelspolitik ab.

Italienischer Regierungswechsel lässt Euro abwerten
In Europa haben die Bildung einer neuen italienischen Regierungskoalition aus EU-skeptischen Parteien und  Verlautbarungen der Europäischen Zentralbank (EZB) auf ihrer Zinssitzung im Juni den Euro an Wert einbüßen lassen, während die Rendite der 10-jährigen deutschen Bundesanleihe auf ihren bisherigen Tiefststand in diesem Jahr herabgefallen ist. Hinzu kommt der drohende globale Handelskrieg; die USA drohen, unter anderem Autos aus der EU neue Strafzölle aufzuerlegen.

Die EZB beschloss in ihrer jüngsten Zinssitzung, ihr Aufkaufprogramm ab September zu halbieren und zum Jahresende völlig einzustellen; den Zins wird sie frühestens im Sommer 2019 erstmals anheben. Der Druck auf den Euro - und die niedrigen Zinsen - werden in der kommenden Zeit wohl anhalten.

Inflation in Japan bleibt niedrig
In Japan hält die positive Konjunkturentwicklung an. Die rekordniedrige Arbeitslosigkeit erhöht den Druck auf die japanische Zentralbank, die expansive Geldpolitik allmählich etwas zu straffen. Eine Normalisierung der Geldpolitik hat jedoch nach wie vor lange Aussichten, denn die japanische Inflation bleibt nach wie vor weit hinter der Zielvorgabe zurück.

Allerdings könnten die Wahlen zum Parteivorsitz der LDP, der Partei von Premierminister Shinzō Abe, Unsicherheit um die künftige Geldpolitik schüren, sollte Abe den Vorsitz nicht wiedererobern. Premierminister Abe ist der Architekt der lockeren Geldpolitik der Bank of Japan und des Yen. Den jüngsten Umfragen zufolge sind die Aussichten Abes auf eine Wiederwahl zum Parteivorsitzenden recht gut.

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