Quartalserwartungen: Globale EM-aktien

Datum: 09. Oktober 2018 - 09:10 Uhr

Ein voraussichtlich nachlassendes Wachstum in China, ein aufwertender US-Dollar sowie hohe und anziehende US-Zinsen bewirkten Unruhe unter den Anlegern


Ertragsentwicklung im 3. Quartal
Der Ertrag im 3. Quartal 2018 landete bei -2,09 %, während die Benchmark MSCI Emerging+Frontier mit -0,60 % rentierte.

Ein voraussichtlich nachlassendes Wachstum in China, ein aufwertender US-Dollar sowie hohe und anziehende US-Zinsen bewirkten Unruhe unter den Anlegern.
Die umfassenden Schwankungen an den lateinamerikanischen Aktienmärkten setzten sich im 3. Quartal fort, und vor allem färbte die bevorstehende Wahl in Brasilien auf die Aktienkurse dieser Region ab.

Das Portfolio schnitt geringfügig schlechter ab als die Benchmark, was vor allem auf die Aktienwahl in Indien innerhalb Finanzen und Basiskonsumgüter zurückzuführen war.  Der Finanzsektor in Indien war von Unruhe betroffen, nachdem ein Kreditinstitut ihre Zahlungen eingestellt hatte. 
Die Übergewichtung im Kasinosegment in China trug ebenfalls negativ bei. Die einzelnen Kasinos konnten Wachstumsraten verzeichnen, die den Erwar-tungen der Analysten genügten, die Furcht vor einer anhaltenden Renminbi-Abwertung und einer Verlangsamung im VIP-Segment sowie nachlassendes Wirtschaftswachstum in China fielen jedoch schwerer ins Gewicht und lösten Aktienkurseinbrüche aus. 

Dagegen trugen unsere Investitionen in Taiwan positiv zum Ertrag bei. Das war weitgehend der Verdienst unserer Investitionen in den großen Chipproduzenten Taiwan Semiconductor, der sehr stark am Markt positioniert ist, und der zukünftig Marktanteile am CPU-Markt erobern kann.

In der EMEA-Region trugen die Aktienwahl in den Vereinigten Arabischen Emiraten und die Untergewichtung in Katar negativ bei. Das wurde jedoch von unseren Investitionen in Russland und der Untergewichtung in der Türkei kompensiert. Wir haben keine Investitionen in der Türkei, und die türkischen Aktien gaben am meisten unter den neuen Aktienmärkten nach.

Der Beitrag aus Lateinamerika war insgesamt neutral. Sowohl Brasilien als auch Mexiko zogen solide im Berichtsquartal an, während die übrigen lateinamerikanischen Aktienmärkte fast unverändert blieben.
 
Country Review
Die Furcht vor einem globalen Handelskrieg steigt nach wie vor im Zuge der Einführung von neuen US-Importzöllen auf chinesische Waren. China färbte daher negativ auf die fernöstlichen Aktien im Berichtsquartal ab. Die Volksrepublik versucht sich jedoch mit einer Gegenreaktion durch Stimulierung der Wirtschaft, hierunter Steuersenkungen für die Mittelklasse, Beschleunigung von Infrastrukturprojekten und günstigere Kreditvergabebedingungen für die Banken.

Indien erlebt nach wie vor ein starkes Wirtschaftswachstum und die Bilanzen der Unternehmen zeigen grundsätzlich ein solides Ertragswachstum. Die indischen Aktien sind jedoch teuer bewertet, weshalb diese im September nachgaben. Gleichzeitig verlor die Währung Indiens an Wert.

Während China und Indien sich im Berichtsquartal als schwache Märkte erwiesen, entwickelten sich die ASEAN-Länder positiver, allen voran Thailand.

In Brasilien war und ist fast ausschließlich die anstehende Wahl im Fokus der Investoren. Der Wahlkampfverlauf änderte sich, als der rechtsextreme Präsidentschaftskandidat Jair Bolsonaro bei einer Wahlkampfveranstaltung niedergestochen wurde, und die TV-Wahlkampagne des marktfreundlichen Alckmin musste geändert werden. Das bewirkte, dass eine steigende Wählerunterstützung für Alckmin ausblieb, und der Markt nachgab. Wir gehen jetzt von einem Rennen zwischen zwei weniger marktfreundlichen Kandidaten aus.

In Mexiko hat der neugewählte Präsident AMLO sich als pragmatischer erwiesen als zunächst befürchtet, und ein bisher begrabenes NAFTA-Abkommen wurde jetzt abgeschlossen. Das Abkommen umfasst Kanada und der Name wurde zu USMCA geändert. Die umfassende Marktunruhe im 2. Quartal ließ nach, und der mexikanische Aktienmarkt konnte im Berichtszeitraum die größten Zuwächse in Lateinamerika verzeichnen.

Die bedeutendsten Investitionen und Ergebnisse
Es wurden gute Reformen in Indien umgesetzt, und die Unternehmen dürften weiterhin ein steigendes Wachstum verzeichnen. Die Zusammensetzung unserer indischen Aktien hat sich jedoch im Verlauf des Quartals geändert, wonach das Exposure insgesamt defensiver ist. In Indien steigt das Risiko infolge einer hohen Bewertung, Ungewissheit innerhalb bestimmter Finanzierungsunternehmen sowie Ungewissheit im Rahmen der anstehenden Wahl 2019. Der anziehende Ölpreis bereitet ebenfalls Schwierigkeiten.

Im Hinblick auf China ist selbstverständlich auch ein großes Risiko mit dem Handelskrieg mit den USA verbunden. Die chinesischen Aktien scheinen jedoch derzeit günstig bewertet zu sein. Beispielsweise sehen die chinesischen Unternehmen innerhalb Wohnungsbau interessant aus, was auf die Kombi-nation von hohen Wachstumsraten und einer günstigen Bewertung zurückzuführen ist.

Die anhaltende Ungewissheit in Brasilien wirkte sich zudem negativ auf die Währung Brasiliens aus, und wir sehen nach wie vor ein Risiko bei der Wäh-rung. Das bewirkt, dass wir unsere Übergewichtung von Energie und Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen unverändert belassen. Die Entwicklung des Verbraucher- und Geschäftsvertrauens ist noch nicht wirklich positiv, und wir bleiben bei unserer Untergewichtung von Basiskonsum und Nicht-Basiskonsum.

Wir haben im Verlauf des Berichtsquartals unsere Investitionen in Saudi-Arabien aufgestockt. Das ist u. a. auf den anziehenden Ölpreis zurückzuführen, jedoch vor allem darauf, dass sich der Status des saudi-arabischen Aktienmarktes nächstes Jahr ändert, wonach es auf ein so genanntes Emerging-Market-Land heraufgestuft wird. Das dürfte zu vermehrten Investitionen im Land beitragen.

Marktausblick
Die derzeit größte Furcht des Marktes ist die Gefahr einer Verschärfung des Handelskrieges zwischen den USA und China. Ausländische Investoren halten sich daher sehr mit Investitionen in Aktien in Fernost zurück, und der aufwertende US-Dollar trug ebenfalls dazu bei. Es ist schwierig Näheres darüber zu sagen, wann sich die Lage stabilisieren könnte. Vor allem trägt Trumps Unberechenbarkeit zur schwierigen Lage der Investoren bei.
Sollten die USA und China sich über ein Abkommen einigen, das einer weiteren Verschärfung des Handelskrieges gegensteuert, wäre das Szenario äußerst günstig für die neuen Aktienmärkte. Es besteht jedoch derzeit ein erhöhtes Risiko.

In China sehen wir nach wie vor weitere Möglichkeiten, um die Wirtschaft Chinas im restlichen Jahresverlauf zu stimulieren. Die schwierige Lage be-wirkte, dass die fernöstlichen Aktien jetzt anscheinend attraktiv bewertet sind. Die Bewertung der Aktien in Fernost, gemessen am voraussichtlichen P/E, beträgt 12,7, während das P/E-Niveau weltweit bei 15,9 liegt. Der Rabatt macht demnach etwa 20 % aus.

Wir gehen jetzt davon aus, dass es sich bei der Wahl in Brasilien um ein Rennen zwischen dem rechtsextremen Bolsonaro und dem linken Haddad handeln wird. Es ist jedoch nach wie vor möglich, dass die Kandidaten sich nach der Wahl pragmatischer zum Präsidentenamt stellen, so wie es auch in Mexiko der Fall war. Die zwei wahrscheinlichsten Kandidaten haben beide verlautbart, dass eine gewisse Reformpolitik erforderlich sei.

Das neue USMCA-Abkommen dürfte zur steigenden Stabilität am mexikanischen Aktienmarkt beitragen, und könnte zudem die Risikoprämie der mexikanischen Währung teilweise kompensieren.

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