Quartalsprognose EM Bonds & Local Bonds

13.04.2018 09:10:00

Das größte Gefährdungspotenzial birgt womöglich die Politik.

Das erste Quartal des Jahres macht deutlich, dass die Schwellenländer-Anleihen durch höhere US-amerikanische Zinsen zunehmend in Gegenwind geraten, die Länder dem Druck jedoch durch ein hohes Wachstum haben standhalten können.

Unsere Ganzjahresprognose bleibt in vieler Hinsicht weitgehend unverändert. Die größte Änderung besteht in dem starken Anstieg der US-Zinsen am langen Ende. Ein Teil der Zinserhöhungen seitens der US-Bundesbank dürfte allmählich eingerechnet und das diesbezügliche Risiko demnach begrenzt sein. Allerdings stellt der Abbau des Bestands an Staatsanleihen kombiniert mit einem höheren Emissionsbedarf im Zuge der US-Steuerreform ein Risiko dar, das in höheren US-amerikanischen Zinsen resultieren kann.

Wir rechnen jedoch nicht mit starken Erhöhungen der US-Zinsen vom gegenwärtigen Niveau aus, und für die Schwellenländeranleihen ist das positiv. Isoliert betrachtet wären niedrigere Zinsen natürlich vorzuziehen. Ursachen für niedrigere Zinsen könnten ein geringeres US-amerikanisches Wachstum, ein Ausverkauf an den Aktienmärkten oder ein beachtlicher Ölpreisverfall sein. Keine dieser Ursachen wäre für die Schwellenländer-Anleihen besonders günstig. Stattdessen würden etwas höhere US-amerikanische Zinsen infolge eines soliden Wachstums in den USA relativ neutral bzw. leicht positiv einspielen, denn die Zinserhöhung wäre dann wachstumsgetrieben. Negativ würden sich dann allerdings die Furcht vor einer höheren Inflation in den USA und damit einhergehend höhere Zinsen auswirken.
Schließlich ist es auch positiv, dass es aus den Schwellenländern keine wesentlichen Nachrichten zu berichten gibt. Das Wachstum ist nach wie vor relativ hoch, die Inflation weiterhin niedrig. Trotz steigender US-amerikanischer Zinsen ziehen die Schwellenländer weiterhin Investitionen an. Auch die Rohstoffpreise notieren auf einem soliden Niveau, das die Exporteure unterstützt und keinen Inflationsschub auslöst. Das bedeutet auch, dass die Anlagen in Schwellenländer-Assets, sowohl Anleihen als auch Aktien, im ersten Quartal trotz unsteter Marktbedingungen relativ hoch rentierten.

Das größte Gefährdungspotenzial birgt womöglich die Politik. Die Gefahr eines Handelskrieges infolge der Ankündigungen seitens US-Präsident Trump, gefolgt von entsprechenden Vergeltungen Chinas, stellt ein nicht unwesentliches Risiko dar. Zudem stehen in diesem Jahr etliche wichtige Wahlen an, von denen die Präsidentschafts- und Parlamentswahlen in Mexiko Anfang Juni unmittelbar das größte Risiko beschreiben, während die Präsidentschaftswahlen in Venezuela im Mai die spärliche Hoffnung eines Regierungswechsels  nähren - mit der Betonung auf spärlich. Auch Brasilien wählt einen neuen Präsidenten; die Wahlen stehen dort im Oktober an, und hier ist alles noch offen. Übergeordnet fällt das Risiko um die Einfälle von US-Präsident Trump aufgrund von deren globaler Reichweite und dem Umstand, dass sie alle Assetklassen berühren, am schwersten in Gewicht.

Von Senior Analyst Thomas Brund, für Sydinvest,  13. April 2018

Dies ist eine Übersetzung der dänischen Analyse „HøjrenteLande - kvartalsforventninger“. Im Zweifelsfall gilt der dänische Text.

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