Gleichgewichtung & Value

31.01.2018 12:50:00

Erwartungen an das kommende Quartal.

Günstige Bedingungen für globale Aktien
Im letzten Quartal des vergangenen Jahres erlebten die globalen Aktien solide Kurssteigerungen. Diese Entwicklung hat gleich mehrere Gründe. Erstens die abermals starken Wirtschaftsdaten, die einen intakten globalen Konjunkturaufschwung indizieren. Zweitens unterstützen die Zentralbanken die Märkte aufgrund der niedrigen Inflation weiter. Und schließlich wurden in den USA jüngst beachtliche Steuererleichterungen verabschiedet. Den Aktienmärkten bietet sich damit ein überaus günstiges Umfeld. Im Quartal haben sich die Value-Aktien kleiner und mittelständischer Unternehmen aufgrund der starken Kurszunahmen der großen Growth-Aktien wie Amazon, Google und Apple nur schwer behaupten können. Wir möchten jedoch abermals auf die nach wie vor attraktive Bewertung der Value-Aktien gegenüber anderen Titeln hinweisen, ein Trend, der 2018 durch steigende Inflation und zunehmendes Wachstum untermauert wird. Aufgrund der Zugehörigkeit vieler großer Growth-Aktien zu den USA haben sich insbesondere die Value-Aktien der dortigen kleineren und mittelständischen Unternehmen schwergetan. Allerdings entwickelten sich die kleinen und mittelständischen Unternehmen dann im Dezember, als konkretere Details zur US-Steuerreform bekanntgegeben wurden, allmählich besser, da insbesondere die kleinen und mittelständischen Unternehmen, die heute höhere Unternehmenssteuern zahlen und gegenüber der Inlandsnachfrage stärker exponiert sind, von der Steuerreform profitieren.

USA
Das ganz zentrale Ereignis in den USA war natürlich die Verabschiedung der neuen, umfangreichen Steuerreform. Hauptpunkte sind eine Senkung der Unternehmenssteuer, eine geringere Besteuerung ausländischer Geldreserven bei deren Rückholung in die USA sowie eine niedrigere Einkommenssteuer. Die Reform ist zwar nicht vollständig finanziert, verlieh den US-amerikanischen Aktien aber dennoch Auftrieb, denn als kurzfristiger Effekt verbessern sich unter dem Strich die Ergebnisse, und auch der Privatkonsum wird wahrscheinlich etwas anziehen. Die US-Wirtschaftsdaten fielen im vierten Quartal weiterhin positiv aus und wir sehen abermals Anzeichen einer leicht steigenden Inflation. Wie erwartet erhöhte die US-Bundesbank den Leitzins im Dezember und wir gehen für 2018 von weiteren Zinserhöhungen aus; die nächste dürfte nach der Sitzung der Bank am 21. März bekanntgegeben werden. Für Beobachter der US-Bundesbank ist 2018 generell ein interessantes Jahr, denn mehrere Spitzenpositionen sind in diesem Jahr neu zu besetzen, und der neue US-Bundesbankchef, Jerome Powell, tritt sein Amt am 5. Februar an. All dies in einem Jahr, in dem die USA geldpolitische Straffungen in Angriff nehmen. Wie sich diese auf Wirtschaft und Aktienmarkt auswirken, sind Faktoren, die wir mit höchstem Interesse mitverfolgen.

Europa
In Europa hat es im vierten Quartal keine wichtigen, richtungsweisenden Ereignisse gegeben. Über die laufenden Brexit-Verhandlungen und Ankündigungen von Wahlen in Italien hinaus war der Markt allgemein von Ruhe geprägt. Bezeichnend für das Quartal sind starke Wirtschaftsdaten, reichlich Liquidität und eine nach wie vor große Risikobereitschaft. Entgegen anderen Regionen entwickelten sich die Titel kleiner und mittelständischer Unternehmen in Europa im Quartal richtig gut. Grund dafür ist über ein starkes Wachstumsbild hinaus die Abwesenheit schwergewichtiger Growth-Aktien in Europa, denn es fehlt hier an Wachstumsriesen wie Amazon, Google oder Apple, die das Bild stören, so wie es in den USA und Asien zu verzeichnen war. Beim Ausblick auf das erste Quartal 2018 springen zwei wesentliche Themen ins Auge. Zum Einen die am 4. März in Italien anstehenden Wahlen. Derzeit deuten die Meinungsumfragen auf einen schwierigen Ausgang hin, der die großen Parteien vor die Herausforderung stellt, sich auf eine Regierungsbildung zu einigen. Diese potenzielle Instabilität könnte auf die südeuropäischen Aktienmärkte, insbesondere den italienischen, durchschlagen. Ein anderes, nicht weniger relevantes Thema sind die allmählichen geldpolitischen Straffungen seitens der Europäischen Zentralbank. Diese fährt ihre Anleihekaufprogramm nun zurück, und obwohl dieser Schritt in einem wesentlich gemächlicheren Tempo erfolgt als in den USA, verfolgen wir die etwaigen Auswirkungen dieser Maßnahme auf das Wachstum und damit den Aktienmarkt mit großem Interesse.  

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