Ausblick: Schwellenländer-Aktien

Datum: 09. April 2019 - 11:10 Uhr

Für Aktien der Schwellenländer ist es von maßgeblicher Bedeutung, dass der Handelskonflikt gelöst wird.

Ertragsentwicklung im 1. Quartal
Der Ertrag im 1. Quartal 2019 landete bei 12,68 %, während die Benchmark MSCI Emerging+Frontier Markets mit 11,89 % rentierte.

Die Developed Markets (+14,17 %) übertrafen die Emerging Markets (+11,8 %). Der äußerst positive Ertrag bei den chinesischen Aktien war auf die Erwartung einer Lösung des Handelskonfliktes sowie eine weichere Rhetorik seitens der US-Notenbank zurückzuführen. Insgesamt war das 1. Quartal 2019 genau das Gegenteil vom 4. Quartal 2018, was auch der Ertrag in dieser Region widerspiegelt.

Indien setzte die positiven Takte vom 4. Quartal 2018 fort, obwohl der Ölpreis, der in der Regel in die andere Richtung fährt als die indischen Aktien, im 1. Quartal 2019 um mehr als 27 % anzog. Ein neuer Notenbankchef mit einem taubenartigeren Standpunkt, populistische Maßnahmen seitens der Regierung und die Erwartung einer Wiederwahl der aktuellen Regierung trugen hauptursächlich zu dieser Entwicklung bei.

Unsere Übergewichtung in Mexiko und Brasilien und unsere Untergewichtung in Chile wirkten sich positiv auf den Ertrag des Fonds aus. Unsere Untergewichtung in Kolumbien trug negativ zum relativen Ertrag bei.

Die positiven Beiträge aus Brasilien und Mexiko wurden vor allem von unserer Aktienwahl vorangetrieben. In Brasilien färbten die stark steigenden Ölpreise im 1. Quartal auf unsere Ausrichtung auf Energie ab, während unsere Titelwahl bei Konsumaktien ebenfalls positiv zum relativen Ertrag beitrug. In Mexiko profitierten wir vor allem von der Aktienwahl im Industriesektor sowie von einer Übergewichtung innerhalb Finanzen und einer Untergewichtung im Telesektor.

Der anziehende Ölpreis färbte negativ auf unsere Untergewichtung in Kolumbien ab. 

In der EMEA-Region trug unsere Übergewichtung bei dem südafrikanischen Unternehmen Naspers positiv zum Ertrag bei, unsere Untergewichtung in Polen und Katar trug jedoch ebenfalls positiv bei, nachdem die beiden Länder nach einem starken Endspurt 2018 etwas an Fahrt verloren hatten. Die Aktienwahl in Russland trug jedoch negativ zum gesamten Ertrag bei.

Country Review
US-Präsident Donald Trump hatte eine Erhöhung des Importzolls gegenüber China zum 1. März 2019 von 10 % auf 25 % angekündigt. Nach intensiven Verhandlungen während der ersten zwei Monate des Jahres zwischen China und den USA entschied sich Trump jedoch für eine Vertagung der Tariferhöhung. Im 1. Quartal war die Erwartung eines baldigen positiven Abkommens für den Aktienmarkt maßgeblich. Die USA verlangen jedoch weitere Zugeständnisse im Hinblick auf Subventionen, Diebstahl von Patentrechten und intellektuellen Rechten seitens China. Diese Punkte stellen zweifelsohne die größten Herausforderungen dar. China hat ein Gesetz für ausländische Investoren zum 1. Januar 2020 verabschiedet. Das Gesetz spiegelt einige der Anforderungen, welche die USA im Rahmen der Verhandlungen verlautbart hatten. 

China kann seit mehreren Jahren zweistellige Wachstumsraten verzeichnen. Für die nächsten Jahre sehen die Wachstumsaussichten jedoch nicht ganz so hell aus, obwohl das Wachstum nach wie vor hoch sein wird. Die Regierung hat daher beispielsweise die Kreditvergabeanforderungen für die Banken gelockert, Steuererleichterungen beschlossen und die Mehrwertsteuer gesenkt. Nachdem örtliche chinesische Aktien seit Mai 2018 berücksichtigt worden sind, wird die MSCI im Jahresverlauf 2019 den Anteil an chinesischen A-Aktien weiter im Emerging-Markets-Index erhöhen. Das dürfte einen erheblichen Zufluss für örtliche chinesische Aktien mit sich führen. Derzeit macht der Anteil an A-Aktien einen sehr geringen Teil im Verhältnis zum realen Marktwert aus. 

Die Regierungspartei in Indien, BJP, enttäuschte bei den Regionalwahlen im vergangenen Dezember. Das Wahlergebnis setzte die Modi-Regierung im Vorfeld der Parlamentswahlen, die vom 11. April bis 19. Mai stattfinden sollen unter Druck. Der indische Aktienmarkt gab anschließend nach, Modi änderte jedoch den Kurs und steuert jetzt einen eher populistischen politischen Kurs, um die Wahrscheinlichkeit einer Wiederwahl zu erhöhen. Im Februar hat Pakistans Militär zwei indische Kampfjets im pakistanischen Luftraum abgeschossen. Dadurch hatte Modi die Gelegenheit, einen nationalistischeren Standpunkt in seinem Wahlkampf zu vertreten. Modi wirft der Opposition vor, dass sie nicht bereit sei die erforderlichen Mittel einzusetzen und dass sie die Bestellung von neuen Kampfjets verzögert habe. Das bewirkte, dass Modi in den Umfragen im Vorfeld der Wahlen erneut vorne liegt. 

In Brasilien machte das Reformprogramm Schlagzeilen. Ein maßgeblicher Fokus war nach wie vor eine umfassende Rentenreform. Die Rentenbedingungen in Brasilien waren längere Zeit sehr günstig für die Bevölkerung, mit sehr frühem Rentenalter und günstigen Auszahlungsverhältnissen. Ohne eine Reform werden die Staatsschulden Brasiliens jedoch während der nächsten Jahre auf instabile Niveaus klettern. Daher fällt gerade diese Reform beim Aktienmarkt so schwer ins Gewicht.

Präsident Bolsonaros Regierung überraschte bereits den Markt Ende Januar, indem sie den Rentenentwurf der vorherigen Regierung zugunsten eines neuen Entwurfes verwarf. Der vorherige Entwurf war bereits im Unterhaus verabschiedet worden. Das bewirkte daher eine bedeutende Verunsicherung, zumal der neue Entwurf jetzt von sämtlichen politischen Instanzen verabschiedet werden muss. Der Entwurf kann daher erst im späteren Jahresverlauf verabschiedet werden.

Der frühere Präsident Temer wurde wegen Korruptionsbeschuldigungen verhaftet, eine Ergänzung der vorgelegten Einsparungen im Hinblick auf das Militär Brasiliens enttäuschte, und es entstand öffentliche Uneinigkeit über den Prozess zwischen Präsident Bolsonaro, dem Leiter des Unterhauses, Rodrigo Maia und dem Wirtschaftsminister Paulo Guedes. Die beiden Letztgenannten spielen eine maßgebliche Rolle bei der Durchführung von Reformen, und der Markt reagierte mit einem umfassenden Verkauf von brasilianischen Aktien, die im Laufe von einer Woche Mitte März um etwa 10 % nachgaben. Anschließend konnten sich die drei zentralen politischen Mitspieler mehr oder weniger über einige Divergenzen einigen, und der Markt stabilisierte sich.

In EMEA haben wir unsere Positionen in Südafrika von Konsumaktien auf Aktien innerhalb Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe sowie Industrie umgeschichtet.

Die wichtigsten Portfoliobeschlüsse sowie Positionierung
Wir haben im 1. Quartal unsere Ausrichtung auf örtliche A-Aktien Chinas erhöht. Der MSCI wird den Anteil von A-Aktien im EM-Index im Jahresverlauf 2019 von etwa 0,7 % auf etwa 3,3 % in drei Schritten erhöhen. Das bedeutet, dass ausländische Investoren in diesem Jahr voraussichtlich weitere 400-600 Mrd. DKK in örtliche chinesische Aktien investieren werden.

Außer dem steigenden Interesse für chinesische A-Aktien sehen wir auch andere Faktoren, die den Markt stützen könnten. China führt derzeit Steuererleichterungen und andere Maßnahmen durch, um die Wirtschaft zu stützen. Die Bewertung der chinesischen Aktien ist zudem vernünftig. Wenn noch eine günstige Lösung des Handelskrieges zwischen den USA und China hinzu kommt, dann sind die A-Aktien interessant. 

Die Ausrichtung auf A-Aktien im Portfolio wurde im Verlauf des Quartals erhöht. Wir haben unseren Anteil an der Lebensversicherungsgesellschaft Ping An erhöht und haben 1,5 % am Börsenunternehmen Hong Kong Exchanges & Clearing erworben, die beide vom verstärkten Fokus auf A-Aktien profitieren dürften. 

Außer der Übergewichtung in China in Höhe von knapp 2 Prozentpunkten zählt Indien nach wie vor zu eines unserer bevorzugten Investierungsländer. Die Übergewichtung in Indien liegt daher nach wie vor bei 4 Prozentpunkten. Kurzfristig dürften indische Aktien Gegenwind im Rahmen der Wahlen im Mai erfahren, zumal ein Wahlsieg für Premierminister Modi immer wahrscheinlicher wird. Derzeit ist unsere Übergewichtung bei indischen Finanzaktien (Übergewichtung von 4,3 Prozentpunkten) am größten. Die Liquiditätsschwierigkeiten haben in diesem Sektor nachgelassen, die Zinsen geben womöglich nach, und längerfristig dürfte das Ertragswachstum der privaten Banken Indiens bei mehr als 20 % pro Jahr liegen.  

Auf sektoraler Ebene ist die wesentlichste Änderung, dass wir uns jetzt positiver zu den IT-Aktien stellen. Wir haben unsere geringfügige Untergewichtung zu einer geringfügigen Übergewichtung geändert. Zahlreiche IT-Aktien hatten 2018 ein schwieriges Jahr, sie sind jetzt jedoch wieder interessant. Wie bereits erwähnt, sehen wir ein Potenzial bei Produzenten von Kameralinsen für Handys, und daher haben wir in Largan investiert. Die Aktien zogen jedoch anschließend erheblich im Verlauf des Quartals an, weshalb wir jetzt die Bewertung überwachen. 

Außer im IT-Sektor haben wir auch unseren Anteil an Basiskonsum und Nicht-Basiskonsum erhöht. Im Anschluss an diese bedeutenden Kurszuwächse im Verlauf des Quartals haben wir in stabile Aktien wie beispielsweise CP All, KT&G und Gudang Garam investiert. 

In Lateinamerika lieferte vor allem Brasilien Beiträge, was auf unsere Ausrichtung auf Energie zurückzuführen war. Vor allem trugen unsere Übergewichtung des maßgeblichen Ölunternehmens Petrobas sowie unsere Investition in das Ölunternehmen QGEP Participacoes, das im Verlauf des Quartals um mehr als 77 % zulegte, positiv zum Ertrag bei. Dagegen färbte unsere Untergewichtung von Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen negativ auf den soliden Ertrag innerhalb Energie ab. Vor allem wirkte sich das mittelständische Stahlunternehmen Cia Siderurgica, das im Verlauf des Quartals um 86 % zulegte, negativ auf den Ertrag aus. Wir haben das Unternehmen infolge einer hohen Verschuldung abgewählt, aber eine hohe betriebliche Fremdkapitalaufnahme bewirkt eine starke Ausrichtung des Unternehmens auf steigende Stahlpreise, wie im Verlauf des Quartals zu sehen war. Einer der Ursachen der stark steigenden Eisenerzpreise und später der Stahlpreise war der tragische Dammbruch für den Bergbaukonzern Vale. 

Die Behörden Brasiliens hatten mehrere Dämme des Unternehmens vorübergehend geschlossen, doch infolge der Größe des Vale-Konzerns bewirkten die Schließungen so umfassende Preissteigerungen bei Eisenerz, dass der Aktienkurs des Unternehmens fast das gleiche Niveau erreicht hat wie vor der Katastrophe.

Marktausblick
Für Aktien der Schwellenländer ist es von maßgeblicher Bedeutung, dass der Handelskonflikt gelöst wird. Es ist nach wie vor wahrscheinlich, dass ein etwaiger Abbau der Importtarife in mehreren Schritten erfolgen wird, wenn sich die Parteien allmählich über mehrere Bereiche einigen können. Wir gehen davon aus, dass ein Abkommen zustande kommt. 

Die wirtschaftlichen Stimuli seitens der chinesischen Regierung dürften in nächster Zeit durchschlagen. Das dürfte sich auf die Stimmung und die Erwartungen der Investoren auswirken. 

Sollte Modi die Wahl mit großer Mehrheit gewinnen, dürfte das äußerst positiv auf den Aktienmarkt abfärben. Zudem ist wahrscheinlich, dass die Notenbank Indiens weitere Zinssenkungen durchführt. Insgesamt dürfte die Kombination aus einer lockeren Finanz- und Geldpolitik kurzfristig ein günstiges Szenario für indische Aktien sichern.

Wir gehen nach wie vor von einem volatilen Aktienmarkt in Lateinamerika im 2. Quartal 2019 aus.

Obwohl die jüngsten umfassenden politischen Entscheidungen in Mexiko aus Aktienmarktperspektive positiv waren, dürfte es zukünftig nicht zwangsläufig eine ähnliche politische Agenda geben. AMLO entscheidet sich letzten Endes in der Regel für pragmatische Beschlüsse, der Weg dorthin ist jedoch oft mit populistischer Propaganda und entsprechender Aktienmarktvolatilität verbunden. Wir gehen nicht davon aus, dass Mexiko zu einer so hohen Bewertung wie es früher der Fall war zurückkehren wird. Das ist auf eine erhöhte Ungewissheit und verringerte Wachstumsaussichten zurückzuführen, zahlreiche mexikanische Aktien bieten jedoch nach wie vor ein gutes Potenzial.

In Brasilien dürfte die politische Szene nach wie vor eine maßgebliche Rolle spielen. Die Zusammenarbeit zwischen Präsident Bolsonaro, dem Leiter des Unterhauses Rodrigo Maia und dem Wirtschaftsminister Paulo Guedes wird sich maßgeblich auf den Reformprozess auswirken. Maia hat gezeigt, dass der Kongress hinter ihm steht, und Präsident Bolsonaro spielte eine etwas bescheidener Rolle im Anschluss an die jüngsten Aktienkurseinbußen, was wir als positiv auffassen.

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